48. IFLA Weltkongress «Scales of Nature»
Michael Koch, Maresa Schumacher
Swiss Federation of Landscape Architects BSLA
Zürich 2011
Rand_Stadt?! Urbs in Suburbs?!
«Mitten am Rand» war der Arbeitstitel des Ladenburger Kollegs zur Zwischenstadt, «Zwischenstadt – inzwischen Stadt?» der Titel des Sammelbandes mit der Übersicht über wesentliche Befunde der Forschungsgruppe. 1 Man hatte ausreichende und bezeichnende Belege gefunden, um zu postulieren, dass die stadtlandschaftlichen Gemengelagen am Rande (gross-)städtischer Agglomerationen durchaus urbane Eigenschaften haben: Mannigfaltige und spezifische raumfunktionale und soziokulturelle Formen von Urbanität machen die Lebensqualität dieser Räume aus.
Polarisierungen
Die für spezifische Situationen durchaus belegbare (Rück)Wanderung von bestimmten Bevölkerungskreisen in die Kernstädte wird hoffnungsfroh als «Renaissance der Städte» verabsolutiert und scheint dem «Lockruf» der dortigen Urbanität und dichten Stadtstruktur zu folgen. Indes ist keine flächendeckende Abkehr von peri- oder suburbanen Lebensräumen belegbar. Peri- oder Semi-Urbanität wird häufig als bedauernswerter Zustand behandelt, der auch provinziell und rückständig ist, weil nämlich auch semi-rural, ländlich-sittlich und damit vielleicht sogar anti-städtisch.
Lesarten
Mit der Metapher der urbanen Entropie oder der «Stadt als Rührei» (Cedric Price) werden die Zentralitäten und Hierarchien nivellierenden raumfunktionalen
Entwicklungsprozesse anschaulich gemacht. Ubiquitäre Erreichbarkeitsverhältnisse sind die Treiber dieser Tendenzen. Schätzungsweise 80 Prozent des gebauten Siedlungsraumes wurden nach 1900 gebaut und folgten den verschiedenen Leitbildern der modernen Stadt. In den riesigen Stadt erweiterungsgebieten des 20. Jahrhunderts erscheint das bebaute Territorium gleichsam als Archipel, dessen Rand die Form einer zerklüfteten Küstenlinie angenommen hat. In diesem Fraktal bedeutet Rand keineswegs Randständigkeit: vielmehr finden sich hier materielle und kulturelle urbane Versorgungsangebote in unmittelbarer Nachbarschaft zu landschaftlichen Situationen und Attraktionen.
Begabungen
Zunehmend beschäftigen sich Forschungen mit einem urbanen Landschaftsbegriff und finden inzwischen ihre Fortsetzung in der vertieften Beschäftigung mit den inneren Peripherien. Peri-Urbanität muss als eine spezifische Ausprägung unserer heutigen Urbanität verstanden werden, die zusätzlich vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsdebatte auch besondere Zukunftspotenziale bereithält. Postindustrielle und postfossile Lebensverhältnisse bewegen sich auf eine Stadttypologie zu, die an die funktionalen und strukturellen Ideen der Gartenstadt (Ebenezer Howard) anknüpft und diese zu einem Leitbild fur die Stadt des 21. Jahrhunderts transformieren. Dazu bedarf es auch und gerade der Expertise der Landschaftsarchitektur und der Landschaftsplanung.