Entwurfsstrategien für den repräsentationslosen Raum
Oliver Bormann, Martin Schröder, Astrid Schmeing
Lars Bölling, Thomas Sieverts
Wuppertal 2004
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Noch vor ein paar Jahren waren zumindest im europäischen Raum die suburbanen, vor- bzw. zwischenstädtischen Siedlungsgebilde suspekt: Sie galtenals Zeugnisse urbanen Verfalls und des Niedergangs der europäischen Stadtkultur. Dieter Hoffmann Axthelm z.B. spricht 1996 von „lauter Einzelwelten zwischen Brutalität und Idylle, weder Stadt noch Land, hässlich und konturlos, aber so wie es gebraucht wird – die Vereinbarung des Unvereinbaren dank Fläche.“ Inzwischen erfahren die gartenzwergbewachtengebauten Träume vom Wohnideal im Grünen und die als „UFOs“ gelandeten Freizeit und Einkaufsparadiese in der scheinbar ländlichen Agglomeration ambivalente Annäherungen und teilweise Neubewertungen vor allemaus künstlerischer Sicht. „Suburbia“ wird zum Vexierbild. Zunehmend werden in dieser Stadtlandschaft gleichsam „(re)urbanistische“ Experimentierfelder entdeckt. Irgendwo im Nirgendwo werden Allerweltsorte durch Aneignung zur besonderen Heimat. Diese verschiedenen Heimaten und andere Orte von funktionaler oder zeichenhafter Bedeutung stehen sich als Fragmente einer zeitgenössischen „Erzählung“ des Städtischen unvermittelt gegenüber, als Konglomeratedes Alltäglichen und Abbild der Heterogenität und Pluralität heutiger Interessenund Lebensweisen.
Der geäußerte Vorwurf ist bekannt und macht einen eigentlichen „Blinden Einer solchen im Ansatz positiven, weil um Verstehen bemühten Sichtweise
steht das immer wieder geäußerte, zur Weigerunggesteigerte Unbehagen von Planern und Urbanisten entgegen, die Zwischenstadt in ihren räumlichen aber auch sozialen und ökologischen Konsequenzen zu akzeptieren. Vittorio Magnago Lampugnani etwa plädiert in diesem Zusammenhang für „eine radikale Abkehr von jeglicher künstlerisch-intellektueller Mystifizierung der Ästhetik der Peripherie zugunsten einer konkreten Erzeugung von lebenswerten öffentlichen Räumen “.Fleck“ in der aktuellen urbanistischen Debatte sichtbar, der ein „Blinder Fleck“ im Wortsinne ist: die urbane Realität der Zwischenstadt erzeugt kein Bild auf der Netzhaut unseres fachlichgeschulten Auges. Wir sehen nichts bzw. überblenden dieses Nichts mit nostalgischen Rückblicken, die Phantomschmerzen auslösen...
In dieser gewohnten Dichotomie werden der Innenstadt gewünschte, idealisierte Eigenschaften zugeschrieben (Mischung, Dichte, Öffentlichkeit), welche durch die Erscheinungsformender Zwischenstadt (Entmischung, Weitläufigkeit, Vereinzelung) bedroht zu werdenscheinen. Wie zur Bestätigung des Gut - Böse - Gefälles verfügt die Innenstadt fast über das gesamte Repertoire hochkultureller (mit „guten“ Werten belegter) Institutionen wie Museen, Opernhäusern, Theatern und Bibliotheken, gegenüber denen die Zwischenstadt akulturell und repräsentationslos erscheint.